Ähnlich wie die Epigraphik hat die Numismatik eine besondere Bedeutung als Hilfswissenschaft der Altertumskunde, hier stehen aber Mittelalter und Neuzeit im Vordergrund. Aufschriften auf Münzen sind auch Objekt der epigraphischen Methode.
Tarì Friedrichs II. | ![]() |
![]() | Dukat des Borso d'Este (1452 - 1471) |
Münzstätte Schleiz, erste Hälfte des 13. Jh. | ![]() |
Währungs- und Zahlungssysteme beruhten auf Edelmetallbasis ( Gold, Silber ), was in gewissem Maße auch noch in der Zeit des Papier- und Plastikgeldes gilt. Wert- und Kaufkraftrelationen lassen sich auf Grund der Quellenlage nur sehr schwer bestimmen, aussagekräftige "Warenkörbe" wie in den modernen Statistiken sind für das Mittelalter fast unmöglich.
Obwohl es auch international anerkannte Münzen gab: das byzantinische Goldnomisma, der "Dollar des Mittelalters" (R.S.Lopez), Sterling, Tournosen, die Florentiner Goldmünzen , wurde der internationale Zahlungsverkehr durch den Wechselbrief, eine Erfindung italienischer Kaufleute, die auch über die dazu nötige Infrastruktur verfügten, entscheidend erleichtert. Institutionen mit internationalen Einkünften wie die Römische Kurie in Avignon akzeptierten allerdings jede Art von Münzen, was die Buchführung des päpstlichen Kämmerers nicht gerade erleichterte, uns aber wenigstens zeitweise mit Informationen über die wechselseitigen Wertverhältnisse versorgt.
Rechenmünzen ( Mark, Pfund, teilweise auch der römische Solidus) wurden nicht ausgeprägt. In Deutschland wurden bis ins 14. Jh. nur Pfennige geschlagen (240 Pf = 1 Mark), größere Beträge wurden in Silberbarren beglichen.
Das Münzrecht gehörte zu den Regalien. Verleihungen an nachgeordnete Stellen sind in Diplomen der Könige oder Kaiser oft zu finden. Für die technische Herstellung der Prägungen, das "Schlagen" der Münzen, wurden Spezialisten herangezogen. Verträge eines Münzherren mit einem Münzmeister kennen wir vor allem aus dem Spätmittelalter. In ihnen wurde der Edelmetallgehalt der Münzen festgehalten, oft auch die Anzahl der Prägungen; Entlohnung konnte durch den bei der Prägung verbleibenden Rest an Edelmetall, das in der Regel vom Münzherren zu liefern war, erfolgen; daneben konnten auch feste Zahlungen vereinbart oder Rechte zum Betrieb einer Wechselbank verliehen werden.
Fälschung und Verfälschung von Münzen galt als Kapitalverbrechen. Auf die Münzverschlechterung durch Veränderung des Münzfußes und den Zwangsumtausch durch Münzverrufung wurde diese Norm, die sich bereits im Römischen Recht findet, allerdings nicht angewendet.
Grierson Philip, Les monnaies . Turnhout 1977 [ Typologie des sources du Moyen Âge occidental, fasc.21]
Friedensburg Ferdinand , Deutsche Münzgeschichte, in: Grundriß der Geschichtswissenschaft, hg.v.Aloys Meister.Band I, Abt.4, Leipzig - Berlin 2.Aufl. 1912, S. 98 - 132
Luschin von Ebengreuth A. , Allgemeine Münzkunde und Geldgeschichte, München 2. Aufl. 1926 (ND Darmstadt 1976)
Schrötter Friedrich von, Wörterbuch der
Münzkunde . Berlin u.a. : de Gruyter, 1930. - XVI, 777, 28 S. :
Ill.
Schlumberger Gustave Léon, Numismatique de l'Orient Latin. - Nachdr. d. Ausg. Paris 1878. Graz : Akad. Dr.- und Verl.-Anst. 1954.
klein und kostbar. Antike und mittelalterliche Münzen der Sammlung
Schindler im Historischen Museum Bamberg, Bamberg 2004 [Schriften der
Museen der Stadt Bamberg, Nr. 47. Hg. von Regina Hanemann]
Begleitbuch mit studentischen Beiträgen zu einer Ausstellung, die aus einer numismatischen
Lehrveranstaltung von Dr. Ralf Behrwald hervorgegangen ist. Mit
zahlreichen Abbildungen.
Da zahlreiche Liebhaber ihrer numismatischen Sammelleidenschaft frönen, gibt es auch zahlreiche Veröffentlichungen für Amateure, die oft hervorragendes Bildmaterial enthalten:
- Suhle Arthur, Hohenstaufenzeit im Münzbild. Aufnahmen von Max Hirmer. München: Hirmer [1963]
- Hobson Burton, Geliebte Münzen. Einführung in die Münzkunde. München: Battenberg 1968
Über die Angebote im Internet informiert eine eigene Seite der VL - GHW.
(zum Seitenanfang)