Unter Paläografie (von griech. palaios = alt und graphein = schreiben) versteht man die Lehre von den alten Schriften. Dabei geht es insbesondere um ihre räumliche und zeitliche Bestimmung, aber auch ganz allgemein um das Lesenkönnen der alten Schriften. Die Paläografie soll somit an das Verständnis und an die Geschichte der Schrift heranführen (B. Bischoff).
Weiters untersucht die Paläografie, wie die alten Schriften voneinander abhängig sind. In neuerer Zeit rückten aber auch die Physiologie und Psychologie des Schreibens in den Mittelpunkt des Interesses, ebenso das soziale Umfeld.

 

Die Beschreibung einer Handschrift kann in ausführlicher oder in knapper Form erfolgen. Folgende Kriterien sollten jedoch auf jeden Fall darin enthalten sein:
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Aufbewahrungsort der Handschrift, gegebenenfalls unter Angabe des Bestandes und der Sprache
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Signatur der Handschrift
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Alte Signaturen (sogenannte Olim-Signaturen), die in der älteren Literatur noch Verwendung fanden
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Beschreibstoff
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Zahl der Blätter (Folien); dabei werden gegebenenfalls Vorsatzblätter, die beispielsweise ein nachträglich eingefügtes Inhaltsverzeichnis enthalten, mit römischen Zahlen gezählt
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Format der Handschrift
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Herkunft und Abfassungszeit so genau als möglich
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Inhalt der Handschrift, soweit identifizierbar; größere Lücken im Text sind anzumerken
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Kurze Angaben zum Bucheinband

 

Außerdem sollte in einer genaueren Beschreibung nicht fehlen:
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Aufbau der Handschrift
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Angaben über den Zustand der Handschrift
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Schreibervermerke
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Kustoden, Reklamanten
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Schriftart, Schriftraum, Zeilenzahl, Spaltenzahl, Linierung
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Wasserzeichen (bei Papierhandschriften)
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Ausstattung der Handschrift (Überschriften, Paragraphenzeichen, Art der Initialen, Zierleisten, Randillustrationen, Miniaturen, Vollbilder)
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Details zum Einband
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Genaue Aufschlüsselung des Inhalts unter Angabe der maßgeblichen Edition bzw. bei nicht edierten Texten des Incipit, d. h. der ersten Worte
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Geschichte der Handschrift
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Literatur zur Handschrift